Berühmte Australier
Berühmte AustralierInnen
Wenn es um berühmte AustralierInnen geht, werden in den Medien meist die üblichen Verdächtigen genannt: Nicole Kidman, Kylie Minogue und andere Markennamen der Popkultur. Ihnen ist dieser Artikel jedoch nicht gewidmet, sondern vielmehr jenen, die in der kollektiven Erinnerung der Australierinnen und Australier einen besonderen Platz haben; Menschen, die durch ihre über Jahrzehnte hinweg geleisteten meisterhaften musikalischen, sportlichen oder literarischen Beiträge ihr Fach entscheidend geprägt und zahllose Menschen inspiriert und beeindruckt haben.
Ein solcher Mensch ist Dame Joan Sutherland. Sie wurde am 7.11.1926 in Sydney geboren und widmete ihr Leben der Oper. Als eine der bedeutendsten Opernsängerinnen des 20. Jahrhunderts setzte sie mit ihrem Koloratursopran neue Standards im Belcanto-Fach. Ihre Laufbahn führte sie von den 1950ern bis 1990 an die großen Opernhäuser der Welt. Ihren internationalen Durchbruch erlebte sie in der Oper „Lucia di Lammermoor“ am Royal Opera House in London im Jahr 1959 und erhielt bald den Beinamen „La Stupenda“, zu Deutsch „die Gewaltige“, von ihren zahlreichen Fans. Ihre schöne und kraftvolle Stimme und ihre Art zu singen bewegten Luciano Pavarotti dazu, sie „die Stimme des Jahrhunderts“ zu nennen. Ihre künstlerischen Leistungen wurden mehrmals von höchster Stelle gewürdigt, so wurde sie 1961 zum „Commander of the Order of the British Empire“ ernannt und 1978 zur „Dame Commander“ „befördert“. 1991 wurde ihr darüber hinaus von der britischen Königin der „Order of Merit“verliehen.
Eine ganz andere, aber nicht weniger wichtige Position im kollektiven Gedächtnis Australiens hat die Schwimmerin Dawn Fraser, die nicht nur durch ihre außergewöhnlichen sportlichen Leistungen , sondern auch durch ihr „politisch unkorrektes“ Verhalten und ihren unkonventionellen Charakter bekannt und ebenso beliebt wie umstritten war und ist. Sie gewann acht Medaillen bei olympischen Spielen, sechs Goldmedaillen bei den British Empire and Commonwealth Games und siegte in der selben Disziplin, dem 100-Meter-Freistilwettbewerb, bei drei aufeinanderfolgenden Olympiaden (1956, 1960 und 1964), was neben ihr in der Geschichte des Schwimmsports nur eine andere Schwimmerin und kein einziger Schwimmer geschafft hat. Als erste Frau schwamm sie die hundert Meter im Freistil in weniger als einer Minute und hielt diesen Rekord ganze sechzehn Jahre lang. Insgesamt erzielte sie 23 Individualweltrekorde und zwölf als Teil eines Teams. Das aus der Arbeiterklasse stammende Mädchen begann mit fünf Jahren zu Schwimmen, auch um ihr Asthma zu lindern. Im Alter von elf Jahren begann sie ihre Karriere als professionelle Schwimmerin, zusätzlich angetrieben durch den Leukämietod ihres älteren Bruders, der ihr beim Schwimmen lernen geholfen hatte. Das Jahr 1964 stellte sie auf eine besondere Zerreißprobe: Sie wurde mit ihrer Mutter in einen Autounfall verwickelt, bei dem diese starb und Dawn so schwer verletzt wurde, dass sie wochenlang Stahlspangen um Hals und Rücken tragen musste. Trotzdem konnte sie bei der Olympiade in Tokio im selben Jahr für Australien antreten und zum dritten Mal die Goldmedaille im 100-Meter-Freistil für sich beanspruchen. Sie besiegelte bei dieser Olympiade jedoch das Ende ihrer Karriere, als sie eine olympische Flagge vor dem japanischen Kaiserpalast zu stehlen versuchte und dafür nach ihrer Rückkehr vom australischen Schwimmverband in einem überaus strengen Urteil für zehn Jahre aus dem Wettkampfschwimmsport ausgeschlossen wurde. Kurz vor den olympischen Spielen im Jahr 1968 revidierte der Verband sein Urteil und setzte es auf vier Jahre herab – doch zu spät: Die Spiele standen kurz bevor und Dawn blieb nicht mehr genügend Zeit, um sich darauf vorzubereiten. Doch schon 1967 wurde sie zum „Member of the Order of the British Empire“ erhoben, 1998 zum „Officer of the Order of Australia“. In Australien ist sie bis heute eine der größten SportheldInnen.
Einer der bedeutendsten Romanschriftsteller der englischsprachigen Literatur war der Australier Patrick White (28.5.1912 – 30.9.1990). Er ist gleichzeitig der einzige Australier, der jemals den Nobelpreis für Literatur erhielt. Als Kind australischer Eltern wurde er in London geboren, kehrte jedoch mit ihnen schon kurz darauf nach Australien zurück. Wäre es nach seinen Eltern gegangen, hätte er Bauer oder ähnliches werden sollen, doch schon als Heranwachsender ahnte er, dass er dafür nicht geschaffen war. Schon während seiner Schulzeit begann er, Theatertücke zu schreiben. Im Alter von dreizehn Jahren schickten ihn seine Eltern auf ein Gymnasium in England, wo er vier unglückliche Jahre verlebte. In dieser Zeit wurde er sich seiner Homosexualität bewusst und zog sich angesichts deren damaliger gesellschaftlicher Ächtung und Tabuisierung noch weiter von seinen Schulkollegen zurück. Als er mit achtzehn endlich nach Australien zurückkehren konnte, willigte er seinen Eltern zuliebe ein, es mit dem Landleben zu versuchen und arbeitete zwei Jahre lang als eine Art Cowboy. Während ihm dieses Leben nicht zuwider war, langweilte ihn seine Gesellschaft, sodass er viel Zeit mit dem Schreiben verbrachte. Nach einigen Jahren als Australier in England war er nun auch in seiner Heimat zum Fremden geworden und kehrte schließlich erleichtert nach England zurück, wo er mit Begeisterung französische und deutsche Literatur am King's College in Cambridge studierte. Nach dem Ende seines Studiums beschloss er, Schriftsteller zu werden und wurde dabei überraschenderweise von seinem Vater finanziell unterstützt. 1939 wurde zum ersten Mal ein Roman („Happy Valley“) von ihm veröffentlicht, der in London gut, in Australien kritisch aufgenommen wurde. Nachdem er 1940 zur Royal Air Force als Geheimdienstoffizier eingezogen wurde, lernte er beim Dienst in Griechenland seinen zukünftigen Lebensgefährten Manoly Lascaris kennen, mit dem er nach Kriegsende nach Australien zurückkehrte, wo sie etwa zwanzig Jahre in einem Bauernhof außerhalb Sydneys lebten. 1955 wurden Whites Romane „The Aunt's Story“ und „The Tree of Man“ veröffentlicht, die in Australien wiederum mit Desinteresse oder Ablehnung aufgenommen wurden, während letzterer in den USA und England erfolgreich war. Anerkennung erhielt der geschmähte Autor in Australien erst 1957 mit dem Roman „Voss“, 1961 folgte ein Bestsellererfolg mit „Riders in the Chariot“ über das monotone Leben in der fiktiven australischen Kleinstadt Sarsaparilla. Zum Australier des Jahres wurde er 1973 gewählt, wohl nicht zuletzt, weil ihm als erstem und einzigem Australier in der Geschichte der Literaturnobelpreis verliehen wurde – seine Aufnahme in Australien hatte sich vollständig umgekehrt. 1990 starb er in Sydney.

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